Fünfter Tag: Palermo

Heute Morgen wachten wir alle sehr erholt auf und nach dem Frühstück brachen wir in Richtung Palermo auf. Den Schlag fuhren wir durchgehend auf einem Halbwindkurs mit Wind von Westen. Dabei erreichten wir Geschwindigkeiten bis zu über 9 Knoten. Ansonsten war der Schlag als solches wenig ereignisreich da wir weder wenden noch halsen mussten.

In Palermo im Hafen wollte uns der Chef einer Marina erst in einer Lücke haben die sich für uns schließlich als unmachbar herausstellte. Wir probierten es erst dennoch aber nach einer Schiffsberührung, zum Glück ohne Schäden, mit dem Kiel eingefangenen Muringleinen und viel Gezeter auf allen Seiten ließen wir die Lücke Lücke sein und fuhren in die Nachbarmarina wo der dortige Chef deutlich freundlicher und hilfsbereiter war.

Meine Aufgabe beim Anlegemanöver war es die Muringleine aufzunehmen, diese aus dem Wasser zu ziehen und damit anschließend das Boot zu vertäuen. Soweit so gut. Ich nahm die Leine entgegen ging nach vorne und zog daran um das Boot daran zu befestigen. Ich zog und zog und bekam bald das Gefühl eine lose Leine einzuziehen und keine im Boden verankerte. Schlussendlich stellte sich diese Vermutung als wahr heraus. Wird bekamen dann eine Muringleine vom Nachbarboot. Nachdem alles belegt war war ich total versaut. Mit einer Muringleine holt man allerhand Bewuchs mit herauf der für schmutziges Gewand sorgt.

Nachdem wir uns frisch gemacht haben gingen wir in die Stadt um Abend zu essen. Bis ein Lokal gefunden wurde mit dem jeder einverstanden war drehten wir ein paar Runden durch die Stadt. Das Abendessen war heute wesentlich besser als gestern und so konnten wir dann gestärkt wieder Richtung Boot marschieren und uns in die Kojen hauen.

Morgen bringt uns der Schlag nach Cefalu welches ca. 33 Meilen entfernt ist.

Navionics Track

Tag drei und vier: die große Fahrt

Gestern Früh um 5 Ihr lichteten wir den Anker auf Sizilien um den Schlag nach Ustica zu absolvieren. Wir motorten aus der Bucht, setzten die Segel und los gings. Den ganzen Tag mit gleichem Kurs auf Backbord-Bug in Richtung Ustica. Oder zumindest fast. Wir mussten uns nördlicher halten weil der Wind aus Richtung Ustica blies. Wir alle leideten den einen oder anderen Moment an Seekrankheit. Meist hing es mit einem zu langen Aufenthalt unter Deck zusammen. Ich für mich habe gelernt, dass ich keine großen Speisen bei Seegang zubereiten kann, ohne, dass mich die Übelkeit überkommt. Und jedes Mal wenn er soweit kam hat mich das recht gelähmt und ich war für einige Zeit außer Gefecht. Meine Taktik ist hinlegen und Augen zu. Am Besten auf der Seite liegen. Nach einer oder zwei Stunden hatte ich es dann meist wieder überwunden.

Für die Nacht hat unser Skipper Koni uns in Wachen eingeteilt. Ich durfte mit Koni die Schicht von Mitternacht bis 3 Uhr morgens übernehmen. Ich fand diese 3 Stunden traumhaft. Die Nacht bei Sternenhimmel und fast Vollmond auf dem Wasser hat echt etwas poetisches. Ich konnte ewig in diese Weite schauen zwischen schwarzer See und dunkelgrauem sternenbedeckten Himmel ohne auch nur einen Moment gelangweilt zu sein. Am liebsten hätte ich in dem Moment meine Frau an meiner Seite gehabt. Aber das wird sich schon einmal ergeben.

Am Ende unserer Wache starteten wir den Motor um gegen den Wind in Richtung Ustica zu fahren um dort nicht erst mitten in der Nacht anzukommen. Dann ging ich bis ca. 9 Uhr schlafen. Der Schlaf ist nicht ganz so erholsam wie zuhause neben einem röhrenden Schiffsdiesel in einem stampfenden Schiff.

Im Laufe des Vormittags setzten wir dann noch einmal für zwei Stunden die Segel bis der Wind schließlich ganz den Dienst verweigerte und wir wieder den Motor anließen. Gegen 16:45 kamen wir dann in Ustica an. Hier gönnten wir uns erst einmal ein Anlegebier bevor wir uns alle reihum frisch machten und in den Ort Abendessen gingen.

Der Ort ist wirklich pittoresk und die Insel würde einladen sie einmal näher zu erkunden. Beim nächsten Mal. Diesmal sind wir hier zum segeln. Morgen geht es weiter nach Palermo.

Navionics Track

Zweiter Tag: au weh

Heute früh haben wir gegen 8 gefrühstückt. Nachdem uns das Brot welches wir gestern gekauft haben uns zu wenig erschien, sind Sarah und ich aufgebrochen um Brot für die nächsten Tage zu besorgen. Sonntags war es für uns nicht leicht eine offene Bäckerei zu finden. Die einzige die wir fanden hatte geschlossen und ansonsten gab es eigentlich eher nur Konditoreien. So wurden es im Endeffekt einige gefüllte Croissants und eine halbe Torte. Frei nach „wenn sie kein Brot haben sollen sie doch Kuchen essen.“

Zurück an Board hatten wir eine ausgiebige Sicherheitseinweisung zu allen möglichen Themen im und ums Schiff. Gegen Mittag brachen wir dann auf in Richtung Südostspitze Sardiniens. Kaum aus dem Hafen draußen, beim ersten Logbucheintrag unter Deck, begann sie zu schwelen: die Seekrankheit. Von da an war die Passage für mich eher mühsam und mit viel geschlossen Augen verbunden. Insofern kann ich gar nicht viel Spannendes erwähnen. So wie mir erging es auch Carlos und Sarah.

Gegen Ende des Schlages ging es langsam besser und so konnte ich beim Segelbergen und beim Ankermanöver wieder mithelfen. Nach dem Ankerbier gab es auch schon bald Abendessen. Es gab Spaghetti mit Tomaten-/Gemüsesausse. Anschließend gönnte ich mir noch eine Dusche. Morgen früh geht es bereits um 5 Ihr morgens los, dass wir beim langen Schlag nach Sizilien, genau genommen Ustica, nördlich von Sizilien, nicht zu spät Abends ankommen.

Jedenfalls wird es deswegen morgen keinen neuen Eintrag geben, weil wir mitten am Meer sein werden, aber übermorgen gibt es wieder eine Zusammenfassung.

Unser heutiger Track.

Navionics Track

Erster Tag: Cagliari

Heute Früh nach einem Frühstück im Hotel und nachdem ich meine Hotelrechnung beglichen habe, begab ich mich auf den Weg quer durch die Stadt um meine CO2 Kartusche für meine Automatikweste zu holen. Auf dem Weg bekam ich einige Eindrücke von Cagliari abseits der schönen Gebäude im touristischen Kern der Stadt.

Nachdem ich bis zu meinem Ziel ziemliche Blasen erlaufen habe löste ich mir eine Tageskarte für den Bus und fuhr in Richtung Hafen um einmal auszukundschaften wo das Boot liegt. In der Nähe gab es auch ein Bistro und so gönnte ich mir einen Snack und ein Bier. Zwei Tische weiter bemerkte ich eine Schweizer Gesellschaft und nach einiger Beobachtung identifizierte ich einen davon als unseren Skipper Koni. Nachdem ich meinen Snack beendet hatte und gezahlt hatte begrüßte ihn und stellte mich vor bevor ich aufbrach um die Nekropole von Cagliari zu besichtigen.

Anschließend nahm ich wieder den Bus zum Hotel um dort meinen zwischenzeitlich deponierten Rucksack abzuholen und machte mich danach wieder auf den Weg Richtung Boot. Dort traf ich dann auch Koni, Sarah, Carlos und Andi welche ebenfalls am Törn mitsegeln. Celine kam erst später mit dem Flugzeug an. Wir machten einen ersten Einkaufsplan und machten uns dann auf den Weg zum Supermarkt. Der Ersteinkauf für so eine Segelwoche ist in der Regel massiv. Vor allem Wasser wird in Unmengen gebunkert. Nachdem wir 4 Einkaufswagen gefüllt haben und diese bezahlt stellte sich für uns die Frage wie wir den Einkauf nun zum Boot bekamen. Wir waren zu 4. unterwegs und wir hatten allein 90 Liter Wasser. Nach einigen Versuchen selbst ein Taxi zu organisieren scheiterten wir kläglich weil niemand daran interessiert war uns mit unserem Einkauf die 700 Meter zu führen. Schließlich konnten die Dame beim Informationsschalter für uns ein Taxi rufen welches uns zum Hafen brachte wo uns dann auch Koni und Celine halfen die Dinge zum Boot zu bringen. Nachdem wir den Einkauf im Boot verstaut hatten machten wir uns auf den Weg zum Abendessen. Koni kannte bereits ein Lokal vom Vortag in dem wir einkehrten. Heute war das Abendessen sehr gut und ausgiebig. Ich hatte als Vorspeise einen kleinen halben Hummer mit Pasta und zur Hauptspeise ein leckeres Steak mit gemischten Salat. Nach dem Essen begaben wir uns zurück zum Boot wo Andi und ich unsere Kajüte bezogen und uns langsam zur Ruhe begaben.

Anreise zum Törn

Heute Nacht wurde ich um 2:30 von einem komischen Geräusch aus unserem Keller geweckt. Es handelte sich dabei um irgendeinen Signalgeber. Wahrscheinlich von der Feuerwehr die auch bei uns im Haus ist. Nachdem ich sowieso im 3 aufstehen wollte blieb ich gleich wacht. Für 4 Uhr hab ich ein Taxi bestellt welches mich zum Bahnhof bringen sollte.

3:45 warten auf das Taxi

Ich war mit gutem Spielraum am Bahnhof angekommen und hatte eine halbe Stunde Zeit bis mein Zug abfuhr. Nachdem der Zug aber bereits im Bahnhof stand setzte ich mich gleich hinein.

Im Zug.

Am Flughafen in Zürich angekommen ging alles sehr schnell. Ich gab mein Gepäck auf, bemühte mich durch den Sicherheitscheck und ging direkt zum Gate wo das Boarding gerade anfing als ich ankam. Ich war ziemlich müde aber trotzdem konnte ich während der Fluges nicht wirklich schlafen.

In Palermo angekommen suchte ich nach den Schließfächern weil mein Anschlussflug erst um 17:00 ging. Vergebens. Auch das Gepäck schon aufzugeben ging nicht weil sie dies erst ab 2 Stunden vor Abflug zuließen. Und nachdem ich meinen großen Rucksack nicht mit mir herumschleppen wollte war ich nun den ganzen Tag auf eine Bank am Flughafen gefesselt. Snackbar und WC in Sichtweite, damit ich mein Gepäck nicht unbeaufsichtigt lasse.

Mein Platz für 6 Stunden.

Nach 6 Stunden konnte ich endlich mein Gepäck aufgeben und mich zum Gate bewegen. 20 Minuten vor dem Boarding war ich vom Faktum verblüfft, dass sich die Leute bereits zum Boarding anstellen. Ich hatte an dem Flughafen ein wenig das Gefühl, dass die Arbeit gemütlich genommen wird, aber alles andere subito und schnell sein muss. Das hat sich auch dann in den Durchsagen im Flugzeug fortgesetzt. Die italienischen Ansagen waren schnell. Gut ich spreche kein Italienisch also halb so schlimm. Aber mein Englisch ist ziemlich gut und die englischen Ansagen waren so schnell, dass ich diesen genau gar nicht folgen konnte!

In Cagliari angekommen nahm ich mir ein Taxi zum Hotel. Ich hab über ebookers ein recht günstiges gefunden. Es liegt zwar nicht mitten in der Stadt sondern eher in einem Wohn- beziehungsweise Gewerbegebiet am Stadtrand aber dafür hab ich dafür nur 34 CHF bezahlt und das Zimmer ist sauber. Es ist zwar klein, aber ich ziehe hier ja nicht ein und es ist definitiv größer als die Kajüte in den kommenden Tagen. Das Zimmer ist echt in Ordnung.

Hotelzimmer.

Nach ein wenig Ruhe begab ich mich in das Restaurant des Hotels welches mit dem Guide Michelin Werbung macht und ich war guter Dinge. Ich nahm das Gourmet-Menu, ein kleines Bier als Aperitif und dann eine halbe Flasche Weißwein weil das Menu fischlastig war. Dies führe beim Servicepersonal zur ersten Verwirrung weil sie offenbar nicht gewohnt waren Bier als Aperitif zu servieren, also brachten sie mir beides gleichzeitig. Die Vorspeise war sehr gut. Aber das war’s auch schon. Ich will hier jetzt keine Restaurantkritik schreiben. Hier die Zusammenfassung: Laufender Fernseher direkt vor mir, unfreundliche Kellner, Fisch durch durch durch (mir wurde klar wieso sie hier keine Fischmesser haben. Die hätten den Fisch nicht teilen können.) Fenchel-Orangensalat war mehr geschnittener Fenchel und darauf geschnittene Orangen – fertig – und die Creme Brulee, auf welche meine Frau sonst ewig neidisch wäre, war nicht mit echter Vanille – sprich sie war gelb und ohne die kleinen schwarzen Punkte. Die Vanilleschote wurde vielleicht einmal aus der Ferne gesehen.

Alles in allem ein Tag zum Vergessen. Morgen habe ich noch den ganzen Tag Zeit um Cagliari zu erkunden und um 18:00 geht es zum Boot wo wir heute via eingerichtetem WhatsApp-Gruppenchat die genauen Koordinaten bekommen haben.