Erster Tag: Cagliari

Heute Früh nach einem Frühstück im Hotel und nachdem ich meine Hotelrechnung beglichen habe, begab ich mich auf den Weg quer durch die Stadt um meine CO2 Kartusche für meine Automatikweste zu holen. Auf dem Weg bekam ich einige Eindrücke von Cagliari abseits der schönen Gebäude im touristischen Kern der Stadt.

Nachdem ich bis zu meinem Ziel ziemliche Blasen erlaufen habe löste ich mir eine Tageskarte für den Bus und fuhr in Richtung Hafen um einmal auszukundschaften wo das Boot liegt. In der Nähe gab es auch ein Bistro und so gönnte ich mir einen Snack und ein Bier. Zwei Tische weiter bemerkte ich eine Schweizer Gesellschaft und nach einiger Beobachtung identifizierte ich einen davon als unseren Skipper Koni. Nachdem ich meinen Snack beendet hatte und gezahlt hatte begrüßte ihn und stellte mich vor bevor ich aufbrach um die Nekropole von Cagliari zu besichtigen.

Anschließend nahm ich wieder den Bus zum Hotel um dort meinen zwischenzeitlich deponierten Rucksack abzuholen und machte mich danach wieder auf den Weg Richtung Boot. Dort traf ich dann auch Koni, Sarah, Carlos und Andi welche ebenfalls am Törn mitsegeln. Celine kam erst später mit dem Flugzeug an. Wir machten einen ersten Einkaufsplan und machten uns dann auf den Weg zum Supermarkt. Der Ersteinkauf für so eine Segelwoche ist in der Regel massiv. Vor allem Wasser wird in Unmengen gebunkert. Nachdem wir 4 Einkaufswagen gefüllt haben und diese bezahlt stellte sich für uns die Frage wie wir den Einkauf nun zum Boot bekamen. Wir waren zu 4. unterwegs und wir hatten allein 90 Liter Wasser. Nach einigen Versuchen selbst ein Taxi zu organisieren scheiterten wir kläglich weil niemand daran interessiert war uns mit unserem Einkauf die 700 Meter zu führen. Schließlich konnten die Dame beim Informationsschalter für uns ein Taxi rufen welches uns zum Hafen brachte wo uns dann auch Koni und Celine halfen die Dinge zum Boot zu bringen. Nachdem wir den Einkauf im Boot verstaut hatten machten wir uns auf den Weg zum Abendessen. Koni kannte bereits ein Lokal vom Vortag in dem wir einkehrten. Heute war das Abendessen sehr gut und ausgiebig. Ich hatte als Vorspeise einen kleinen halben Hummer mit Pasta und zur Hauptspeise ein leckeres Steak mit gemischten Salat. Nach dem Essen begaben wir uns zurück zum Boot wo Andi und ich unsere Kajüte bezogen und uns langsam zur Ruhe begaben.

Anreise zum Törn

Heute Nacht wurde ich um 2:30 von einem komischen Geräusch aus unserem Keller geweckt. Es handelte sich dabei um irgendeinen Signalgeber. Wahrscheinlich von der Feuerwehr die auch bei uns im Haus ist. Nachdem ich sowieso im 3 aufstehen wollte blieb ich gleich wacht. Für 4 Uhr hab ich ein Taxi bestellt welches mich zum Bahnhof bringen sollte.

3:45 warten auf das Taxi

Ich war mit gutem Spielraum am Bahnhof angekommen und hatte eine halbe Stunde Zeit bis mein Zug abfuhr. Nachdem der Zug aber bereits im Bahnhof stand setzte ich mich gleich hinein.

Im Zug.

Am Flughafen in Zürich angekommen ging alles sehr schnell. Ich gab mein Gepäck auf, bemühte mich durch den Sicherheitscheck und ging direkt zum Gate wo das Boarding gerade anfing als ich ankam. Ich war ziemlich müde aber trotzdem konnte ich während der Fluges nicht wirklich schlafen.

In Palermo angekommen suchte ich nach den Schließfächern weil mein Anschlussflug erst um 17:00 ging. Vergebens. Auch das Gepäck schon aufzugeben ging nicht weil sie dies erst ab 2 Stunden vor Abflug zuließen. Und nachdem ich meinen großen Rucksack nicht mit mir herumschleppen wollte war ich nun den ganzen Tag auf eine Bank am Flughafen gefesselt. Snackbar und WC in Sichtweite, damit ich mein Gepäck nicht unbeaufsichtigt lasse.

Mein Platz für 6 Stunden.

Nach 6 Stunden konnte ich endlich mein Gepäck aufgeben und mich zum Gate bewegen. 20 Minuten vor dem Boarding war ich vom Faktum verblüfft, dass sich die Leute bereits zum Boarding anstellen. Ich hatte an dem Flughafen ein wenig das Gefühl, dass die Arbeit gemütlich genommen wird, aber alles andere subito und schnell sein muss. Das hat sich auch dann in den Durchsagen im Flugzeug fortgesetzt. Die italienischen Ansagen waren schnell. Gut ich spreche kein Italienisch also halb so schlimm. Aber mein Englisch ist ziemlich gut und die englischen Ansagen waren so schnell, dass ich diesen genau gar nicht folgen konnte!

In Cagliari angekommen nahm ich mir ein Taxi zum Hotel. Ich hab über ebookers ein recht günstiges gefunden. Es liegt zwar nicht mitten in der Stadt sondern eher in einem Wohn- beziehungsweise Gewerbegebiet am Stadtrand aber dafür hab ich dafür nur 34 CHF bezahlt und das Zimmer ist sauber. Es ist zwar klein, aber ich ziehe hier ja nicht ein und es ist definitiv größer als die Kajüte in den kommenden Tagen. Das Zimmer ist echt in Ordnung.

Hotelzimmer.

Nach ein wenig Ruhe begab ich mich in das Restaurant des Hotels welches mit dem Guide Michelin Werbung macht und ich war guter Dinge. Ich nahm das Gourmet-Menu, ein kleines Bier als Aperitif und dann eine halbe Flasche Weißwein weil das Menu fischlastig war. Dies führe beim Servicepersonal zur ersten Verwirrung weil sie offenbar nicht gewohnt waren Bier als Aperitif zu servieren, also brachten sie mir beides gleichzeitig. Die Vorspeise war sehr gut. Aber das war’s auch schon. Ich will hier jetzt keine Restaurantkritik schreiben. Hier die Zusammenfassung: Laufender Fernseher direkt vor mir, unfreundliche Kellner, Fisch durch durch durch (mir wurde klar wieso sie hier keine Fischmesser haben. Die hätten den Fisch nicht teilen können.) Fenchel-Orangensalat war mehr geschnittener Fenchel und darauf geschnittene Orangen – fertig – und die Creme Brulee, auf welche meine Frau sonst ewig neidisch wäre, war nicht mit echter Vanille – sprich sie war gelb und ohne die kleinen schwarzen Punkte. Die Vanilleschote wurde vielleicht einmal aus der Ferne gesehen.

Alles in allem ein Tag zum Vergessen. Morgen habe ich noch den ganzen Tag Zeit um Cagliari zu erkunden und um 18:00 geht es zum Boot wo wir heute via eingerichtetem WhatsApp-Gruppenchat die genauen Koordinaten bekommen haben.

Langsam wird es ernst

Übermorgen in der Früh geht es los. Ich muss um 4 Uhr los um meinen Flug nach Palermo zu erreichen. Das wird schon mal schwer genug. Zuvor müssen allerdings noch ein paar andere Dinge auf meiner inneren Checkliste erledigt werden. Dazu später mehr.

Erst einmal möchte ich vermelden, dass ich in Cagliari einen Shop gefunden habe, der mir einen „Rearm Kit“ für meine Rettungsweste verkaufen wird. Ich habe den Shop über die Homepage von Spinlock gefunden, wo dieser als Reseller aufgeführt ist. Auf meine erste Anfrage kam erst eine kurze Antwort, dass sie den Kit nicht auf Lager haben. Auf meine Nachfrage, ob sie den Kit bestellen könnten und ich auch bereit wäre Vorkasse zu zahlen bekam ich eine kurze Mail mit dem Preis und der Kontonummer. Der Laden hat es nicht so mit ausschweifenden Mails. Ich überwies also 39€. Kürzlich erkundigte ich mich, ob das Geld angekommen sei und ob des Teil da sein wird. Dabei kündigte ich auch die Abholung am Samstag Vormittag an. Damit wäre mein Problem mit dem Transport meiner Rettungsweste auch gelöst. Weil mir der Shop so hilfreich war, findet man auch einen Link dazu auf der Link-Seite.

Morgen wird der grosse Pack-Tag. Ich habe, wie beim letzten Mal, vor mit meinem grossen Tramper-Rucksack auf Reise zu gehen. In diese 95 Liter bekomm ich in der Regeln so ziemlich alles rein was ich brauche. Auf Flugreisen verpacke ich den Rucksack noch in einem grösseren, robusten Sack ohne Bänder und Riemen, damit diese auf den Gepäckbändern nicht hängen bleiben und der Rucksack auch ankommt. Den meisten Platz im Gepäck nimmt definitiv die eigentliche Segelausrüstung in Anspruch. Das wären das Ölzeug, die Gummistiefel, die Rettungsweste (ohne CO2 Kartusche) und die Bootsschuhe. Darüber hinaus braucht es noch Gewand für Temperaturen zwischen 15 und 25 Grad. Wenn man Nachts über mehrere Stunden bei 15 Grad, unter Umständen bei Regen, ohne viel Bewegung Wache hat, kann es einem ziemlich schnell ziemlich kalt werden. Für diesen Fall muss vorgesorgt werden. Natürlich auch für 25 Grad und strahlenden Sonnenschein, nur das fällt leichter und braucht auch nicht so viel Platz im Gepäck. Ich werde versuchen abgesehen von dieser Ausrüstung nicht allzu viel mitzunehmen und zwischendurch immer wieder meine Sachen zu waschen.

Auch muss ich morgen alle meine Reiseunterlagen zusammensammeln und ausdrucken und gesammelt in einer Reisemappe mitnehmen. Das mach ich eigentlich immer so, damit ich diese Dinge immer besammen und gleich bei der Hand habe, wenn ich sie brauche. Vor allem auf komplexeren Reisen mit verschiedenen Transportmittel, mehreren Unterkünften und anderen Unterlagen hat sich das bewährt.

Jedenfalls wird mir morgen Nachmittag nicht langweilig werden bevor ich morgen Abend für meine Familie Burger machen werde und wir ein letztes Mal vor der Reise gemeinsam zu Abend essen werden. Wenn sie am Freitag aufwachen, werde ich bereits weg sein.

Während der Reise habe ich vor meine Leserinnen und Leser regelmässiger mit Updates und Fotos zu versorgen sofern ich Zeit, Strom und Mobilfunkverbindung habe. Viel Spass beim Lesen.

Den Vertrag über ein langweiliges, konformistisches Leben unterschreibt man mit dem Blut der aufgegebenen Träume. 

Nicolas Friedland-Mériaux, 2019

Elektronisches Equipment

Heute fange ich einmal an und erkläre die Ausrüstung die ich auf den Törn mitnehme. Ich beginne mit dem „Spielzeug“, den elektronischen Gadgets, von denen man sowieso nicht ewig viele mitzunehmen braucht, weil die Stromversorgung auf einem Segelboot natürlich eingeschränkt ist.

Da man auf einem solchen Boot wann immer möglich unter Segeln vorwärts kommt und dann natürlich der Diesel aus ist, gibt es auf einem nicht speziell ausgerüsteten Boot nur noch die 12V Versorgungsbatterien zur Stromversorgung. Das heisst, man kann keine grossen Verbraucher mitnehmen und die Geräte die man hat sollten sich idealerweise über USB-Kabel laden lassen. Weil diese kann man in der Regel an einen 12V Anschluss (wie der Zigarettenanzünder im Auto) mit einem entsprechenden Ladegerät anschliessen. Dabei muss man bedenken, dass es im Boot wahrscheinlich nur genau einen solchen Anschluss geben wird und damit ist die Anzahl der Geräte die man am Boot darüber laden muss natürlich auch begrenzt. Wenn man in einer Marina liegt und Landstrom zur Verfügung steht, besteht auch die Möglichkeit die 220V Steckdosen an Board zu nutzen.

Nun zu den Dingen die ich an Board mitnehmen werde. An obester Stelle steht hier natürlich mein Telefon, ein iPhone X. Abgesehen davon, dass es natürlich dazu dient mit der Familie Kontakt zu halten ist es natürlich auch meine Möglichkeit diesen Blog während der Fahrt weiterzuführen. Darüber hinaus hab ich auch die Navionics-App darauf installiert und somit ist es eine Navigations- und Törnaufzeichnungsmöglichkeit. Bereits auf dem Törn in der Bretagne hat sich diese App beweisen können. Für das Telefon habe ich die Tage eine wasserdichte und schwimmfähige Hülle besorgt, damit dem Telefon auf See nichts passiert. Wasserdicht allein reicht in meinen Augen nicht, weil wenn das Ding über Board geht, dann sinkt es wie ein Stein und ist dann vielleicht nicht kaputt, sondern einfach weg.

Vor dem letzten Törn habe ich mir auch eine GPS-Uhr von Garmin zugelegt. Die Garmin Quatix 3. Es handelt sich dabei nicht um das neueste Modell aber sie ist günstiger und besitzt alle von mir benötigten Funktionen. Die Funktionen, die ich hier besonders herausheben will, sind die Segelfunktionen, die den Kurs aufzeichnen, Kurs über Grund und Geschwindigkeit über Grund und dergleichen. Darüber hinaus hat die Uhr eine „Mensch über Board“- Funktion die in einem solchen Fall hilft zum entsprechenden Punkt zurückzunavigieren.

Last but not least habe ich mir kürzlich eine GoPro Hero 7 Black besorgt um für die Fotos mein Telefon nicht zu gefährden und andererseits ein bisschen unabhängiger vom Telefon, Fotos und Videos machen zu können. Und im Gegensatz zu unseren anderen Fotoapparaten ist die GoPro natürlich wesentlich robuster und nicht gleich kaputt wenn sie Wasser ausgesetzt wird.

Das wars. Mehr wird’s nicht, aber wie gesagt, die Lademöglichkeiten auf so einem Boot sind begrenzt. Wenn ihr, werten Leserinnen und Leser Fragen zu den Geräten habt oder wollt, dass ich auf ein bestimmtes tiefer eingehe, könnt ihr gerne einen Kommentar schreiben oder mich über das Kontakt-Formular kontaktieren.

Update

Eine riesige Enttäuschung. Die Fluglinie mit der ich von Palermo nach Cagliari fliege lässt CO2 Kartuschen über 28 Gramm CO2 nicht auf ihren Flügen zu! Nur meine Rettungsweste nutzt eben welche mit 33 Gramm CO2. Damit darf ich diese Kartuschen nicht mitführen. Ich werde wohl die Weste ohne die Gaskartuschen mit nach Italien mitnehmen und in Cagliari dann eine entsprechende kaufen. Auf dem Flug in die Schweiz darf ich die ja dann auch mitnehmen.

Die Fluglinien sind diesbezüglich sehr mühsam. Bis jetzt hatte ich ganz gute Erfahrungen mit Austrian Airlines und Air France gemacht. Die Swiss lässt die Rettungswesten auch zu allerdings keine Reservekartuschen und die spanische Fluglinie Volotea lässt keine Patronen über 28 CO2 Gramm zu. Und das als Fluglinie die vor allem im Mittelmeer fliegt und damit sicher auch einige Segler.

Die ganze Sache ist eigentlich lächerlich. Es handelt sich um CO2 also einem Gas das per se nicht brennbar ist und die IATA hat deswegen ja auch den Rettungswesten grünes Licht für den Transport im Gepäck gegeben. Nur kochen jetzt alle Fluglinien ihr eigenes Süppchen und es gibt keine einheitliche Linie und auch keine einheitlichen Regelungen.

Für Sportler die ihre Ausrüstung mitnehmen wollen ist das äußerst frustrierend.

Ich verstehe, dass man die Rettungswesten mit den CO2 Kartuschen anmelden muss, damit die Sicherheitsbehörden am Boden wissen worum es sich bei den Behältern handelt wenn das geröntgt wird, aber ich finde es sekkant der Willkür der Fluglinien einfach ausgeliefert zu sein.

Ich weiß jetzt jedenfalls, dass ich mich in Zukunft vor Buchung schlau machen werde wo ich meine Rettungsweste mitführen darf auch wenn es theoretisch bei allen Fluglinien erlaubt ist. Das ist zwar mühsam, weil es oft auch gar nicht auf der Homepage zu finden ist, allerdings bleibt mir wohl nichts anderes übrig.